Everest Base Camp Trek via Gokyo

Everest Base Camp

 

18 Tage dauerte unsere Wanderung, 18 Tage in denen man manchmal verzweifelt, aber vielmehr, immer wieder empor schwebt in den Zustand totaler Glückseligkeit.
Es ist die Überwindung eigener Grenzen, das Sein in der Natur, ohne äußere Einflüsse, das stundenlange Gehen (6-12 Stunden/Tag) das meditativ auf einen wirkt. Gebetsmühlen und Fahnen die einem den Weg weisen. Die vielen schönen Begegnungen mit Tier und Mensch. Wie z.B. den Hochgebirgsträgern, die irrsinnige Strapazen und Kilos auf sich nehmen, damit vor allem wir ein Essen und ein Bett zum schlafen haben, dort hoch oben, wohin keine Straße mehr führt.

Aber von Anfang an.

12 Stunden dauerte die Fahrt mit dem Jeep nach Phaplu, dann war die Straße aus. 12 Stunden Fahrt und drei Tage wandern, um nach Lukla zu kommen. Nach Lukla kann man auch (in 25 Minuten) fliegen. Aber fliegen wollten wir nicht.

So war die Fahrt bereits selbst ein einziges Erlebnis. Nepalesen übergeben sich – mehrmals, eigentlich die ganze Fahrt hindurch, neben, vor und hinter einem in kleine Plastiksäcke, die sobald sie voll sind, aus dem Fenster geworfen wurden. Plastiksäcke gibt es ja schließlich genug.

Nach dieser entspannten begann die Wanderung! Drei Tage lang geht es steil bergauf, gut und gern mal über 1.000 Höhenmeter, danach geht es steil bergab, nicht selten über 1.000 Höhenmeter. Danach geht es wieder steil bergauf (diesmal vielleicht nur 800 Höhenmeter), endlich oben angekommen geht es wieder steil bergab (ja genau diese gerade erklommenen Höhenmeter). Endlich unten am Fluss angekommen geht es – man ahnt es schon – steil bergauf. Wieder 1.000 Höhenmeter. Nach drei Tagen, um viele Bekanntschaften mit Eseln und besonders dessen Ausscheidungen reicher, ist man am unteren Tal von Lukla angekommen. Und hier beginnt unsere eigentliche Reise.

Am vierten Tag wachen wir in unserer Unterkunft auf, geweckt von der Sonne, die durchs Fenster strahlt. Der Schritt vor die Tür, lässt das Herz tanzen. Ein Schritt vor die Tür und das ganze Tal ist durchflutet von Licht und vom Gesang der Morgenvögel. Der Blick schweift über die Gebirgskette in die Ferne und der Gebetsgesang der Mönche hallt durchs ganze Tal. In wenigen Tagen sollen wir vor ebendiesen Bergen stehen. So zumindest die Verheißung. Dieser Moment ist einer der Gründe, weshalb sich die Strapazen lohnen.

Von nun an sollte es nur noch bergauf gehen. 13 Tage lang. Bis wir vor jenem Berg standen, von dessen Spitze es nicht mehr höher geht. Zu Fuß zumindest. Ab Tag 5 bis Tag 16 bewegten wir uns auf Meereshöhen zwischen 4.000 und 5.500 Metern, der Absprunghöhe von Fallschirmspringern.

„Ein wundervolles Gefühl über den Gletscher zu gehen. Das Eis krachen zu hören, alles bewegt und fließt unter dir. Steine kullern sich ihren Weg, Lawinen gehen rechts und links von dir ab. Es knirscht, es kracht, es knaxt – diese Geräusche könnte man stundenlang in sich aufsaugen.
Das war wohl der berührenste Moment für mich: Am Everest Base Camp zu stehen, nach all den Anstrengungen. WooooooW, der höchste Berg der Welt und wir stehen direkt davor.“

Und weil wir nicht den gleichen Weg zurückgehen wollten, sind wir kurzerhand über den Cho La Pass nach Gokyo abgezweigt. Ein elfstündiger Weg durchs Gebirge auf 5.300 m, völlig verschneit und vereist und zum Abschluss noch quer über den Ngozumpa-Gletscher, den größten Eisstrom Nepals. Belohnt wurden wir und unsere für den Pass spontan gegründete Seilschaft (nein, Seil gabs keins!) mit den Hochgebirgsseen Gokyos und einem wunderschönen Rückweg in die Sherpa-Hauptstadt Namche Bazaar.

Anstrengend wars. Und unbeschreiblich schön. Erschöpft waren wir zwischendurch, aber keine Sekunde daran gezweifelt, dass wir es schaffen. Vielleicht haben wir aber auch einfach nur an Nietzsche gedacht:

„Wie komme ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“

 

 

 

Cho La Pass

 

 

Gokyo

 

Zurück gings dann mit dem Kleinflugzeug von Lukla nach Kathmandu. Die einzige Start- und Landebahn ist stark nach unten geneigt, um die Flugzeuge beim Landen zusätzlich abzubremsen – damit sie nicht in die Felswand knallen und um sie beim Start zusätzlich zu beschleunigen, damit sie nicht in den Abgrund stürzen. Leider reicht auch die Neigung sehr oft nicht aus, was den Lukla Airport zum gefährlichsten Flughafen der Welt macht. Was für ein Abschluss!

 

 

0 Kommentare zu “Everest Base Camp Trek via Gokyo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert