Vor dem Beginn bestand unsere Wanderung zum Annapurna Base Camp (A.B.C.) hauptsächlich aus Fakten.
- 11 Tage wandern, vorwiegend auf Steinstufen.
- Von 1.025 m Ausgangshöhe bis zum höchsten Punkt auf 4.130 m (dazwischen immer und immer wieder ein hinauf und hinab steigen durch mehrere Täler).
- Am Ende das Basecamp in einem Kessel ankommen, umringt von sieben- und achttausend Meter hohen Bergen.
- Jeder von uns mit rund 10 kg Gepäck auf dem Rücken, alles was wir für dieses Abenteuer für nötig glaubten, alles was wir für diese Wanderung hatten.
Sehr schnell wurden diese Fakten jedoch von Gefühlen abgelöst. Das Gefühl etwa des ersten Schrittes, mit dem Wissen nun das Himalayagebirge zu betreten, ehrfürchtig und aufgeregt. Dann das Gefühl, sich langsam aber stetig durch Treppen und Bergdörfer immer und immer höher zu schlängeln – motiviert, voller Neugierde und Vorfreude. Die Angst vor Blutegeln, die abseits der Pfade auf einen lauerten und die stetig präsente Sorge, die Wolken im Blickwinkel könnten bereits vor Ende des Tages Regen verheißen. Die erschöpfte Freude, nach stundenlangem bergauf steigen endlich eine Passhöhe zu erreichen und die schlagartig darauf einsetzende Enttäuschung durch die Erkenntnis, nun die gesamten Höhenmeter des Tages wieder bergab ins nächste Tal absteigen zu müssen. Dankbarkeit, wenn nach der nächsten Biegung unerwartet bereits die Unterkunft des Tages auftauchte und Wut, wenn nicht die ersehnte Unterkunft, sondern erneut 400 Höhenmeter Steilstufen nach der Kurve auf uns warteten. Frust, als auf 3.500 m Regen einsetzte und Verzweiflung, als dieser ab 4.000 m in Schnee überging.
Dann war da die Zufriedenheit, im Speiseraum der Unterkunft, geduscht und umgezogen, unser Essen zu bekommen. Noch nie haben Reis mit Linsenbrei und Blattspinat so gut geschmeckt! Pures Glück, um acht am Abend erschöpft in unser Bett zu versinken, keinen Schritt mehr tun zu müssen und froh darüber, dass es im Zimmer wärmer ist, als erwartet. Das Gefühl beim ersten Anblick der verschneiten Himalayakette, überwältigt und gerührt.
Und schließlich die Ankunft im Basecamp, vollkommen erleichtert, nun den höchsten Punkt erreicht zu haben, aber enttäuscht, den Ort völlig verschneit und im Nebel vorzufinden.
Bei Sonnenaufgang am nächsten Tag war der Himmel dann nahezu wolkenlos, die Sicht auf die uns umgebenen 7- und 8-Tausender frei, gestochen scharf. In diesem Moment, als die Sonne über den Bergen auftauchte und den ganzen schneeweißen Kessel zum leuchten brachte, in diesem Moment haben sich all die Gefühle der vorangegangenen Tage, dieser ganze Mix aus positiven und negativen Empfindungen in einem einzigen Blitz in uns entladen. Kein Gedanke ist mehr im Kopf, kein Gefühl mehr benennbar, spürbar ist alles und nichts.



Alle Kücken kommen untern Korb!




Oben Bananenpancake unten Knoblauchsuppe. Beides fast täglich auf unserer Speisekarte. Das eine gut zum aufstehen, das andere gut gegen die Höhe. Wurden die Bananen mit dem Knoblauchmesser geschnitten, hat nicht selten auch der Pancake wie die Suppe geschmeckt.

















Dal Bhat, das nepalesische Nationalgericht. Im Grunde Linsen(suppe) mit Reis, mildes und würziges Gemüse des Hauses, Chilli und ein knuspriges Linsenbrot. Das einzige Gericht auf der Karte, von dem man kostenlos Nachschlag bekommt und daher oftmals die beste Wahl, um die nötige Energie am Abend zurück zu gewinnen.



„Stille. Entlang des Weges nur unsere Schritte, plötzlich ein großes Knacken von Zweigen, raschelndes Laub, Durcheinander: Wir haben eine Affenhorde aufgescheucht. Der Wald ist schön, weil er ein lichtes Unterholz hat, durch das man ziemlich weit sehen kann. Hier und da rote Rhododendronsprösslinge. Der Weg ist angenehm, wir kommen aus dem Wald und sehen das Tal unter uns. Ein Anblick, herausgehoben aus der Zeit und beseelt von einem Frieden und einer Heiterkeit, die wir nicht mehr gewohnt sind.“
So beschreibt 1999 Tiziano Terzani in „Spiel mit dem Schicksal“ seine Eindrücke vom Himalayagebiet in Nordindien und treffender könnte das von uns am Morgen des fünften Tages der Wanderung Erlebte nicht beschrieben werden.










Dieses kleine Klassenzimmer wird nur durch Spenden finanziert, damit die ganz Kleinen nicht einen Schulweg von über 3 Stunden zurück legen müssen.






Oben überglücklich am Ziel zu sein und unten unsere Unterkunft im ABC.

… ein bisschen hat es sich angefühlt wie Weihnachten.








Lemon-Tea genießen, umgeben von der schönsten Kulisse.



Ein Freudentanz im sog. Annapurna Sanctuary.





Oben der eindrucksvolle Machapuchare von der Spitze bis zu seinem eigenen Basecamp. Unten einen letzten Blick auf den Berg, bevor der Nebel alles verschluckt hat und wir uns schließlich auf den Rückweg machten.


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