Acatenango Basecamp, Nacht. Plötzlich werden wir von einer heftigen Windböe aus dem Schlaf gerissen. Der Blick springt als erstes nach oben, wo die dort am Zelt als Deckenlicht befestigte Stirnlampe durch den Wind wie ein Pendel hin und her schwingt. Pendelbewegungen, die uns die Präsenz von Zeit vor Augen führt – Zeit die nicht vergehen will, hier in unserem vom Wind gebeutelten Zelt am Acatenango, einem der höchsten Vulkane Mittelamerikas. Irgendwann fallen unsere Augen dann doch wieder zu, mehr aus Erschöpfung ob der fünfstündigen Wanderung die hinter uns liegt als aus Müdigkeit, bis sich das Ganze ein paar Minuten später wiederholt, wieder und wieder – draußen tobt ein Sturm.
An viel Schlaf ist hier auf knapp 4000 m ohnehin nicht zu denken, dazu kommen Temperaturen von 5 Grad und die Feuchtigkeit, die der Nebel mit sich gebracht hat. Ein Nebel, der schon beim Aufstieg ein paar Stunden zuvor alles verhüllt hat und nun auch hier im Basislager jegliche Sicht unmöglich macht. Dabei war es doch gerade diese Aussicht, die uns mehrere Stunden und über 2000 Höhenmeter diesen Vulkan erklimmen hat lassen und uns dazu gebracht hat, hier oben eine eiskalte Nacht in einem Zelt zu verbringen; das Versprechen von hier aus auf den Nachbarvulkan blicken zu können, der als einer der aktivsten Vulkane der Welt gilt, der Vulkan Fuego. Doch der Nebel verdeckt jegliche Welt zwei Meter entfernt von uns.
Und dann gegen drei in der Früh werden wir, wie so oft, erneut aus dem Schlaf gerissen. Diesmal jedoch hört sich das Geräusch anders an. Keine Windböe, sondern ein dumpfes Donnern hat uns geweckt. Als wir schließlich hastig das Zelt öffnen stockt uns fast der Atem. Der Nebel hat sich verzogen und direkt vor unseren Augen präsentiert sich der Fuego in all seiner Pracht – feuerspuckend unter einem sternenklaren Nachthimmel, die Stadt hell erleuchtet unter ihm. Ein unvergesslicher Anblick…
Eine knappe Stunde später ist dieses Naturschauspiel wieder im erneut aufgezogenen Nebel verschwunden – hätten wir nicht ein paar eilig aufgenommene verwackelte Fotos, wären wir wohl nicht sicher, ob dies nur ein Traum gewesen war. Durch diesen kurzen Anblick sind wir so motiviert, dass auch der eineinhalbstündige Anstieg zum Gipfel des Acatenango um halb fünf in der Früh, trotz des erneut aufgekommenen starken Windes und nun auch einsetzenden Regen, rasch vergeht. Und wieder haben wir Glück. Nur wenige Meter vorm Gipfel reißt die Wolkendecke auf und gibt den wunderschönen Blick auf die Landschaft im Sonnenaufgang frei. In unserem Glück merken wir nicht einmal, dass der eisige Wind am Gipfel unsere vom Regen feuchte Außenschicht vereist hat…
Doch das Wetter haltet und sobald die Sonne höher steht, spendet sie auch hier oben dankbare Wärme. Was folgt ist ein Frühstück mit herrlicher Aussicht im Basislager und ein wundervoller dreistündiger Abstieg. Auch wenn wir nur kurz den Fuego erblicken konnten, hat sich dieses Abenteuer auf jeden Fall gelohnt!




















4 Kommentare zu “Acatenango Volcano”